Allein 2025 gab es in Deutschland über 38.000 angezeigte Trickbetrüge an älteren Menschen – die Dunkelziffer dürfte deutlich höher liegen, weil viele aus Scham nicht zur Polizei gehen. Die Betrüger:innen sind keine Stümper. Sie arbeiten in Banden, sind psychologisch geschult und treffen am Telefon Menschen genau in den Sekunden, in denen das Denken aussetzt. Wer das weiß, ist schon halb geschützt.
Die häufigsten Maschen 2026
Schockanruf / Falscher Polizist
„Hier spricht Kommissar Mayer von der Kripo. Ihre Tochter hatte einen schweren Verkehrsunfall, ein Mensch ist gestorben. Die Kaution beträgt 35.000 €, sonst kommt sie in Untersuchungshaft." Anschließend wird ein angeblicher Staatsanwalt durchgestellt, dann ein Beamter, der das Geld abholen kommt.
Wahrheit: Die Polizei holt nie Geld bei Ihnen ab. Niemals. Auch nicht in Form von Gold oder Schmuck. Schon gar nicht aus dem Schließfach. Auch keine Bargeld-Übergaben für Kautionen, keine eilige Bargeld-Übergabe für „dringende Beweissicherung".
Enkeltrick
„Oma, ich bin's. Hör mal, ich bin in einer Notsituation und brauche schnell Geld …" Es ist heute oft eine WhatsApp-Nachricht von einer fremden Nummer mit der Behauptung, das Smartphone sei kaputt: „Speicher bitte meine neue Nummer."
Erkennungsmerkmal: Die echte Enkelin würde Sie nicht nach drei WhatsApp-Sätzen um 1.500 € bitten, ohne dass Sie ihre Stimme gehört haben.
Phishing per SMS / E-Mail
„Ihr Paket konnte nicht zugestellt werden, klicken Sie hier, um die Versandgebühren zu zahlen." Oder: „Sparkasse: Aus Sicherheitsgründen bitte sofort Ihre Daten bestätigen." Der Link führt auf eine echt aussehende Webseite, auf der Sie Bankzugangsdaten oder TANs eingeben.
Wahrheit: Banken bitten Sie nie per SMS oder E-Mail um TANs, Passwörter oder Kontonummern. Die Post fordert keine Gebühren über Links per SMS. DHL auch nicht. Niemand seriöses tut das.
Falsche Handwerker / Falsche Pflegekräfte
„Wir kommen vom Wasserwerk, müssen die Leitungen prüfen wegen einer Verunreinigung." Sie lassen jemanden ins Haus, eine zweite Person schleicht durch die Wohnung und sucht Wertsachen.
Schutz: Niemand kommt unangekündigt vom Wasserwerk, Stromversorger oder Gasanbieter. Echte Termine werden schriftlich angekündigt – und dürfen verschoben werden, ohne dass etwas passiert.
„Das Geheimnis aller Trickbetrüge: Sie erzeugen Eile. Wer sich angewöhnt, ein Gespräch jederzeit unterbrechen zu dürfen, hat 90 % des Schutzes."
Die zwei Sätze, die Sie reflexartig können sollten
- „Ich rufe Sie zurück. Geben Sie mir Ihre Diensttelefonnummer." Dann auflegen, eigene Nummer prüfen (Polizei: 110, Bank: Nummer auf der Karte rückseitig). Echte Anrufer haben damit kein Problem.
- „Ich entscheide nichts allein. Ich rufe meine Tochter / meinen Sohn / meinen Anwalt an, dann melden wir uns." Niemand seriöses verbietet Ihnen das.
Diese Sätze laut zu üben hilft – wirklich. Wenn der Schockanruf kommt, sucht Ihr Gehirn nach einer Reaktion. Wenn diese Sätze schon abgespeichert sind, sind sie schneller da als die Panik.
Was im Akutfall
- Auflegen. Sofort. Sie sind niemandem eine Antwort schuldig.
- Mit jemandem sprechen, dem Sie vertrauen. Tochter, Sohn, Nachbar. „Ich hatte gerade einen seltsamen Anruf. Was meinst du?"
- Bei Geldverlust: Bank sofort anrufen (oft Stornierung möglich, wenn schnell), dann Polizei (110). Auch wenn Sie sich schämen – Anzeigen sind die einzige Chance, dass die Banden gefasst werden.
- Schon Geld bezahlt? Nicht aus Scham schweigen. Etwa 60 % aller Schockanruf-Geldübergaben werden in den ersten 6 Stunden noch abgefangen, wenn die Polizei informiert wird.
Vorbeugen im Alltag
- Telefonnummer nicht im öffentlichen Telefonbuch stehen lassen, wenn Sie 70+ sind. Eintrag ist gratis löschbar.
- Anrufbeantworter nutzen. Echte Anliegen werden besprochen – Trickbetrüger:innen meistens nicht.
- Türsicherheit: Spion, Sperrkette, niemand in die Wohnung lassen, der nicht angemeldet ist.
- Geldautomat: PIN abdecken, niemals an Fremde weitergeben (auch nicht an „Polizisten").
- Bei der Bank: Tageslimit auf realistische Werte begrenzen lassen (z. B. 500 € statt 2.000 €). Erschwert Schaden bei Kartendiebstahl.
- Im Internet: Niemals auf Links in SMS oder Mails klicken. Banking nur über App oder direkt eingegebene URL.
Anlaufstellen, wenn etwas passiert ist
- Polizei: 110, oder örtliche Dienststelle (auch ohne Notruf möglich).
- Verbraucherzentrale: Hilft bei Phishing-Schaden, falschen Verträgen, Online-Betrug.
- Bank-Notruf-Sperre: 116 116 – sperrt Bankkarten 24/7, kostenlos.
- Kriminalpräventionsstellen der Polizei: bieten Vorträge in Vereinen und Seniorengruppen, oft kostenlos.
- Weiße Ring: Hilfe für Opfer aller Straftaten, einschließlich Trickbetrug. Kostenlose Beratung.
Eine letzte Sache
Reden Sie mit Ihren Eltern, Großeltern, Nachbar:innen darüber. Nicht in der Form „pass auf, du wirst sonst betrogen", sondern „hast du das schon gehört, was sich die jetzt ausdenken?". Aufklärung mit Augenzwinkern wirkt nachhaltiger als Belehrung.