Vorsorge ist nicht das, was man tun muss, um nicht krank zu werden. Es ist das, was man tun kann, um länger das Leben zu führen, das man liebt. Mit diesem Maßstab lohnen sich manche Untersuchungen weniger – und einige Gewohnheiten umso mehr.
Die Vorsorge, die jede:r Erwachsene über 60 wahrnehmen sollte
- Check‑up alle drei Jahre: Blutdruck, Blutzucker, Cholesterin – das Fundament.
- Hautkrebs‑Screening alle zwei Jahre bei Hausarzt oder Dermatologin.
- Darmkrebs‑Vorsorge: Koloskopie ab 65 (Männer ab 50). Eine der wirksamsten Vorsorgeuntersuchungen, die wir kennen.
- Mammographie für Frauen alle zwei Jahre – seit 2024 bis 75 Jahre.
- Augen‑Check jährlich: Grüner Star (Glaukom) entwickelt sich oft beschwerdefrei.
- Zahngesundheit: zweimal jährlich Kontrolle, Bonusheft führen.
Impfungen, an die nur wenige denken
Die STIKO empfiehlt für Menschen über 60 zusätzlich zur jährlichen Grippeimpfung mehrere Impfungen, die deutlich unterschätzt werden:
- Pneumokokken – einmalig, schützt vor schweren Lungenentzündungen.
- Gürtelrose (Herpes Zoster) – zwei Dosen, hochwirksam.
- RSV‑Impfung – seit 2024 empfohlen ab 75, oder ab 60 mit Vorerkrankung.
- Tetanus, Diphtherie, Keuchhusten – Auffrischung alle 10 Jahre.
Medikamente im Alter: weniger ist oft besser
Mit 70 nehmen viele Menschen fünf, sieben, manchmal zwölf Medikamente gleichzeitig. Was bei einem Patienten gut wirkt, kann bei einem anderen Wechselwirkungen auslösen, die wie eine Demenz aussehen, aber keine sind. Lassen Sie alle ein bis zwei Jahre einen Medikationscheck machen – Hausarzt oder Apotheke. Die sogenannte „Priscus‑Liste“ zeigt Wirkstoffe, die im Alter besser ausgetauscht werden.
„Jedes neue Symptom ist erstmal eine Nebenwirkung – bis das Gegenteil bewiesen ist.“
Was sich seit zwanzig Jahren wirklich geändert hat
- Cholesterin: Die Zielwerte werden individueller. Was zählt, ist das persönliche Risiko – nicht ein Laborwert für sich allein.
- Blutdruck: 140/90 ist heute oft schon zu hoch. Die Empfehlungen liegen für viele Patient:innen niedriger.
- Krafttraining: Was früher als „nicht mehr nötig im Alter“ galt, ist heute die wichtigste Sturzprophylaxe.
- Schlaf: Sieben Stunden sind kein Luxus, sondern Grundpfeiler von Gedächtnis und Immunsystem.
Vorsorgevollmacht & Patientenverfügung
Die wichtigste „Untersuchung“ ist keine medizinische: Eine Vorsorgevollmacht und eine Patientenverfügung regeln, wer für Sie spricht, wenn Sie es nicht können. Vorlagen gibt es kostenlos beim Bundesjustizministerium. Sprechen Sie offen mit Ihrer Familie – das ist schwerer als jede Routineuntersuchung, aber kein Mensch wird es bereuen.