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Pflege zu Hause: So bleibt das Zuhause ein Zuhause

80 Prozent aller pflegebedürftigen Menschen in Deutschland werden in den eigenen vier Wänden versorgt – meist von Angehörigen. Was funktioniert, wo Hilfe entlastet, und welche Stolperfallen Sie kennen sollten.

Portrait von Jenny Von Jenny Redaktion · Pflege & Familie 9 Min. Aktualisiert im April 2026

Wenn ein Mensch Pflege braucht, beginnt für die Familie meist ein Marathon ohne Trainingsplan. Plötzlich stehen Begriffe wie „Verhinderungspflege“, „Pflegegrad“ und „Entlastungsbetrag“ im Raum – und niemand hat das Handbuch dazu mitgeschickt. Dieser Beitrag zeigt, wie häusliche Pflege heute aussehen kann, ohne dass jemand auf der Strecke bleibt.

Drei Wege, Pflege zu Hause zu organisieren

Es gibt selten die eine richtige Lösung. In den meisten Familien wird ein Mix aus folgenden drei Bausteinen gewählt:

  • Pflege durch Angehörige – Partner:in, Tochter, Sohn, manchmal Nachbar:innen.
  • Ambulanter Pflegedienst – kommt zwischen einmal pro Woche und mehrmals täglich vorbei.
  • 24‑Stunden‑Betreuungskraft – meist aus Osteuropa, lebt im Haushalt.

Welche Kombination passt, hängt vom Pflegegrad, vom Wohnumfeld und – das wird oft unterschätzt – von der Belastbarkeit der Hauptpflegeperson ab.

Was die Pflegekasse zahlt

Mit anerkanntem Pflegegrad stehen Ihnen mehrere Leistungen parallel zu. Wichtig: Diese müssen aktiv beantragt werden – die Kasse fragt nicht nach.

  • Pflegegeld (332 € bis 947 € monatlich), wenn Angehörige pflegen.
  • Pflegesachleistungen (bis 2.299 € monatlich) für den ambulanten Dienst.
  • Entlastungsbetrag (131 € monatlich) für Alltagshilfen, Haushalt, Begleitung.
  • Verhinderungspflege (1.685 € jährlich) – wenn die Hauptpflegeperson Pause braucht.
  • Pflegehilfsmittel (42 € monatlich) für Einmalhandschuhe, Bettschutz, Desinfektion.
„Viele Familien lassen jedes Jahr mehrere tausend Euro liegen – nicht aus Stolz, sondern weil sie nicht wissen, dass sie Anspruch hätten.“

Die unterschätzte Belastung der Angehörigen

Pflegende Angehörige tragen mehr als nur die organisatorische Last. Studien der Universität Bremen zeigen: Wer einen nahen Menschen über zwei Jahre pflegt, hat ein dreifach erhöhtes Risiko für Burnout und Depressionen. Verhinderungspflege, Tagespflege und Selbsthilfegruppen sind daher keine Luxus‑Optionen – sondern Schutzmaßnahmen.

Konkrete Entlastung im Alltag

  • Tagespflege: Die pflegebedürftige Person verbringt einen oder mehrere Werktage in einer Einrichtung – mit Mahlzeiten, Bewegung und Gemeinschaft.
  • Kurzzeitpflege: Nach einem Krankenhausaufenthalt oder im Urlaub der Angehörigen, bis zu acht Wochen jährlich.
  • Nachbarschaftshilfen: In vielen Bundesländern gibt es geschulte Helfer:innen, die über den Entlastungsbetrag abgerechnet werden.

Worauf Sie bei einem Pflegedienst achten sollten

Ein guter ambulanter Dienst ist mehr als ein Personalproblem in Uniform. Wenn Sie wählen können – und in den meisten Regionen können Sie das – dann achten Sie auf drei Dinge: Verlässlichkeit (kommen immer dieselben Personen?), Transparenz (gibt es einen schriftlichen Pflegeplan?) und Erreichbarkeit (wer geht nachts ans Telefon?).

Der nächste Schritt

Wenn Sie heute beginnen wollen: Rufen Sie als Erstes Ihren Pflegestützpunkt an. Das ist eine kostenlose, neutrale Beratungsstelle in fast jedem Landkreis – sie hilft beim Antrag, beim Begutachtungstermin und beim Vergleich von Diensten. Den nächsten Stützpunkt finden Sie über die Suchmaschine des ZQP.

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