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Augen & Sehkraft: Was sich behandeln lässt – und was Ihre Brille verraten sollte

Vier Erkrankungen verursachen die meisten Sehprobleme im Alter: Grauer Star, Glaukom, Makuladegeneration und diabetische Retinopathie. Die ersten beiden sind hervorragend behandelbar, die anderen verlangsambar – wenn Sie früh genug hinschauen.

Portrait von Jenny Von Jenny Redaktion · Pflege & Familie 7 Min. Aktualisiert im April 2026

Drei Viertel aller Menschen über 65 brauchen eine Brille, jede:r Vierte über 75 hat eine ernsthafte Augenerkrankung. Das gute daran: Die häufigsten Ursachen für Sehverlust im Alter sind heute medizinisch sehr gut zu behandeln – wenn man rechtzeitig zur Augenärztin geht.

Grauer Star (Katarakt)

Die Augenlinse trübt langsam ein – meist über Jahre. Erste Anzeichen: Farben wirken blasser, Gegenlicht blendet stark, beim Autofahren in der Dämmerung treten Sterne und Halos auf. Bei fast jedem Menschen über 70 in irgendeiner Form vorhanden.

Die Operation ist eine der häufigsten und sichersten weltweit – über 900.000 Mal pro Jahr in Deutschland, ambulant in 15–20 Minuten. Die trübe Linse wird durch eine künstliche ersetzt. Krankenkassen zahlen Standard-Linsen vollständig. Premium-Linsen (Multifokal, Hornhautkorrektur) sind Selbstzahler-Leistungen ab ca. 1.500 € pro Auge.

Grüner Star (Glaukom)

Tückisch, weil schmerzfrei und ohne Symptome beginnend. Der Augeninnendruck schädigt schleichend den Sehnerv – zuerst am Rand des Gesichtsfelds, der Mitte zuletzt. Ohne Behandlung bis zur Erblindung. Mit rechtzeitiger Behandlung (Augentropfen, Laser, OP) bei den meisten Patienten sehr gut beherrschbar.

Vorsorge wichtig: Augeninnendruck-Messung ab 40 alle zwei Jahre, ab 65 jährlich. Diese Untersuchung ist keine Kassenleistung (etwa 20–30 € selbst zu zahlen) – sie sollte trotzdem nicht weggelassen werden, denn sie ist die einzige Chance, ein Glaukom früh zu finden.

Altersbedingte Makuladegeneration (AMD)

Die Stelle des schärfsten Sehens (Makula) wird angegriffen. Buchstaben verschwimmen, gerade Linien wirken gewellt, in der Mitte des Gesichtsfelds entsteht ein „Fleck", während der Rand klar bleibt.

Es gibt zwei Formen: trockene AMD (häufiger, langsamer Verlauf) und feuchte AMD (rascher, aber gut behandelbar mit IVOM-Spritzen ins Auge alle 1–3 Monate). Wer eine leichte Sehverschlechterung in der Bildmitte bemerkt, sollte nicht abwarten – jeder Monat zählt bei der feuchten Form.

Selbsttest: das Amsler-Gitter

Ein einfaches Karomuster in Lesedistanz, ein Auge zuhalten, in den schwarzen Punkt in der Mitte schauen. Wirken die Linien gewellt oder fehlen Felder? Dann sofort zur Augenärztin. Das Gitter gibt es kostenlos online (DBSV oder Pro Retina).

Diabetische Retinopathie

Wer Diabetes hat (Typ 1 oder 2), sollte mindestens einmal jährlich die Netzhaut untersuchen lassen. Lange unbemerkte Schäden sind eine der häufigsten vermeidbaren Erblindungsursachen in Deutschland. Gute Blutzuckereinstellung, Blutdruckkontrolle und regelmäßige Kontrolle senken das Risiko deutlich.

„Die Augen sehen, was Ihr Hausarzt nicht sieht. In ihnen erkennt eine Ärztin Bluthochdruck, Diabetes und Cholesterin – manchmal noch bevor sie Symptome machen."

Brille: was sich verändert

  • Lesen wird mit etwa 45 schwerer (Alterssichtigkeit). Mit 70 ist eine Lesebrille bei fast allen nötig – außer bei Kurzsichtigen, die plötzlich „besser" lesen können.
  • Gleitsichtbrillen sind im Alltag bequem, aber für Treppen heikel: Der untere Brillenteil verzerrt das Stufenbild. Wer oft stolpert, sollte fürs Treppensteigen eine Einstärkenbrille verwenden.
  • Eine zusätzliche Computerbrille für Bildschirmarbeit (Distanz 50–70 cm) ist kein Luxus, sondern entlastet bei stundenlangem Arbeiten erheblich.

Was Krankenkassen zahlen

Seit 2017 zahlen die gesetzlichen Kassen wieder Sehhilfen – aber nur bei sehr schwachem Sehvermögen (unter 30 % auf dem besseren Auge oder bei mehr als 6 Dioptrien). Die meisten Brillen müssen Sie selbst finanzieren. Augentropfen wegen Glaukom oder OP wegen Grauem Star: alles Kassenleistung.

Sehbehindertenausweis – wenn das Sehen weniger wird

Bei stärkeren Einschränkungen lohnt sich ein Schwerbehindertenausweis mit Merkzeichen B/RF/Bl: Vergünstigungen bei Bahn, Rundfunkbeitrag, Steuern, Eintritt in Museen, Begleitperson kostenlos. Antrag beim Versorgungsamt.

Drei einfache Hausregeln

  • Sonnenbrille mit UV-Schutz – auch im Winter, auch beim Spazieren. UV-Belastung beschleunigt Grauen Star messbar.
  • Helle, blendfreie Beleuchtung beim Lesen – LED-Tageslichtlampen erhöhen den Komfort enorm.
  • Bildschirmpause „20-20-20": Alle 20 Minuten 20 Sekunden auf etwas in 6 Metern Entfernung schauen. Entlastet die Augenmuskulatur.
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